Wildspitze Überschreitung (3765m, 3770m) über den Nordost-Grat

23.06.2019

Ähnlich wie der Watzmann im letzten Jahr, sollte für die in Kürze anstehende Spaghetti-Runde mit Stefan (dermessing.com / Letsplayontop) ein wenig Eingewöhnung her.  Schnell viel die Wahl dabei auf die Wildspitze. Ich glaube durch eine Vorstellung auf Bergwelten ergab sich der Reiz doch einmal diesen schönen Grat abzugehen. Daneben ist sie immerhin der zweithöchste Gipfel Österreichs (nur 28m plus/minus tiefer als der Glockner) und nicht allzu schwer. Um auch endlich mal die höheren Gipfel ohne Bergführer anzugehen, also ein gutes und passendes Projekt.

Da Jana aufgrund eines Sportunfalls leider ausfiel und auch sonst keiner Zeit hatte, wurde es zudem ein echtes Solo-Unterfangen. Die Bedingungen waren aber gut (nach wie vor viel Schnee der alle Gletscherspalten sicher bedeckt) und so startete ich um 4 Uhr früh am Fuße der Materialbahn der Breslauer Hütte in Rofen. Über die sog. Kuhwiese ging es entspannt in knapp 2 Stunden bis zur Breslauer Hütte (2844m) hinauf. Dort alle Ausrüstung angelegt und in nordöstlicher Richtung weiter. Geschätzt brachen ca. 25 weitere Gipfelwillige auf. Jedoch alle in Richtung Mitterkarjoch. In völliger Ruhe und bei Kaiserwetter ging es bis zum Einstieg in den Rofenkarferner weiter. Dort bemerkte ich eine 4er-Seilschaft, die in geschätzt 1,5h bis 2h Vorsprung bereits direkt unter der großen Wechte kurz vor dem Grat war. Damit war das Routenthema für diesen Tag auch erledigt, hatte ich doch nun super Spurenleger (leider konnte ich mich nicht mehr bedanken). Als ich selbst unterhalb der Wechte war, zog das Wetter leider zu. Von Kaiser- zu Nebel- und Winterwetter (mitten im Sommer). Der Aufstieg über den Grat gestaltete sich dann auch sehr zäh und langsam. Die Sicht war gleich null und ich quälte mich hinauf. Auf dem Nordgipfel angekommen, konnte man zumindest ein wenig Sonne erahnen. Immerhin wurde ich (mal wieder) mit völliger Einsamkeit am Gipfel belohnt. Wie man so liest am vielbesuchten Wildspitz-Gipfel keine Selbstverständlichkeit.

Der Abstieg war absolut unschwierig und aufgrund der jetzt vorhandenen Sonne sehr sehr warm. Am Mitterkarjoch schloss ich zu einer 3er-Seilschaft auf. Angestachelt durch einen von ihnen, unternahmen wir eine (gewollte) 200 Höhenmeter Schlittenfahrt auf dem Po. Sehr spaßig und kräftesparend.  Da die Beine sich nun langsam wie Pudding anfühlten, war ich froh irgendwann wieder die Breslauer Hütte zu erblicken. Dieses Mal von der anderen Seite. Nach einer kleinen Stärkung ging es in einer guten Stunde zurück nach Rofen. Ca. 15 Km und eine wirklich schöne Tour die ich gern bei schönem Wetter noch einmal machen möchte.